Verdachtsfall

Wenn aus der Vermutung ein Verdacht wird

Wenn sich der Verdacht eines sexuellen Missbrauchs erhärtet, weil z.B. die Aussagen des Kindes eindeutig werden oder sogar Verletzungen erkennbar sind, werden folgende Schritte empfohlen:

  • Nehmen Sie die Schilderungen des Kindes ernst. Glauben Sie ihm.
  • Bewahren Sie Ruhe – Panik ist weder angebracht noch hilfreich und kann Kinder ängstigen.
  • Lassen Sie Betroffene nur so viel erzählen, wie sie zu erzählen bereit sind. Stehen Sie Jungen und Mädchen als vertrauensvolle Ansprechperson zur Verfügung und schaffen Sie Situationen, in denen ein Kind über seine Erlebnisse sprechen kann.
  • Üben Sie keinen Druck aus und versuchen Sie nicht, das Kind durch vorformulierte Aussagen zu beeinflussen.
  • Vermeiden Sie Schuldzuweisungen wie: „Warum hast du so lange geschwiegen?“.
  • Die Verantwortung für die Tat liegt einzig und allein beim Täter. Erklären Sie dies dem betroffenen Mädchen oder Jungen. Auch Sie selbst trifft keine Schuld.
  • Planen Sie das weitere Vorgehen, handeln Sie dabei nicht über den Kopf des Kindes hinweg. Holen Sie sich Hilfe bei einer Beratungsstelle. Die Mitarbeiter helfen Ihnen auch dabei, zu entscheiden, ob eine sofortige Anzeige bei der Polizei in Ihrem individuellen Fall sinnvoll ist.
  • Bei der Abwägung, ob Sie Anzeige bei der Polizei erstatten, bedenken Sie: Selbstverständlich stellt ein Ermittlungsverfahren und die damit verbundene Zeugenaussage oder körperliche Untersuchung eine Belastung für das Kind dar. Hinzu kommen die Dauer des Verfahrens und das Risiko, dass dieses eingestellt werden kann. Aber: Je schneller Sie Strafanzeige erstatten, desto mehr Spuren, Gegenstände und Beweise können gesichert und dokumentiert werden. Dadurch wird die Aussage des Kindes untermauert.
  • Überlassen Sie die Ansprache des Tatverdächtigen der Polizei.

Sofortmaßnahmen der Polizei:
In akuten Gefahrensituationen hilft die Polizei. Sie kann Schritte einleiten, die nötig sind, um eine akute Gefahr für das Kind abzuwenden. Auch wenn der Täter nicht in Untersuchungshaft genommen werden kann, weil zunächst kein ausreichender Haftgrund vorliegt, kann die Polizei ihn für gewisse Zeit aus der gemeinsamen Wohnung und der unmittelbaren Umgebung des Kindes verweisen bis das Familiengericht (Seite 32) eine Schutzanordnung (z.B. dem Täter verbieten, die Nähe des Kindes zu suchen) erlässt.

Hilfe erhalten Eltern und Erziehungsberechtigte auch beim Ordnungsamt, beim Amtsgericht/Familiengericht, bei einer Beratungsstelle für Missbrauch oder bei einem Opferanwalt.

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