Opferaussagen

Gesprächssituationen für Kinder schaffen

Kinder und Jugendliche, die sexuelle Gewalt erfahren haben, können nur schwer über ihre Erlebnisse sprechen. Gründe dafür sind Scham, ein Gefühl der Mitschuld, Angst, die Familie zu belasten, oder Furcht vor dem Täter. Dabei ist die Offenbarung des Missbrauchs oft ein entscheidender Schritt, um diesen zu beenden.

Oft jedoch werden die Versuche von Opfern, den Missbrauch zu schildern, von Erwachsenen nicht richtig wahrgenommen, fehlinterpretiert oder schlicht für „Kindergeschichten“ gehalten. Gerade jüngere Kinder kennen aber aufgrund ihres Alters noch keine Begriffe für sexuelle Handlungen und können daher nur bedingt formulieren, was ihnen widerfahren ist. Auf der anderen Seite gibt es Kinder, die eine sexualisierte Sprache benutzen, die nicht ihrem Alter entspricht.

Es gibt kein eindeutiges Zeichen dafür, auf welche kindliche Äußerung Erwachsene mit erhöhter Aufmerksamkeit reagieren sollten. Grundsätzlich sollten sie aber auf eines vertrauen: Immer wenn dem Erwachsenen selbst etwas merkwürdig erscheint oder das Verhalten des Kindes gewisse Aussagen zu bekräftigen scheint, sollten sie der Sache auf den Grund gehen.

Eltern und Erziehungsverantwortliche, aber auch andere Erwachsene im Umfeld des Kindes, können die Bereitschaft, sich über jegliche Probleme mitzuteilen, positiv beeinflussen. Opfer sprechen eher über ihre Erlebnisse wenn:

  • sie sich auf eine Gesprächssituation vorbereiten können,
  • sexueller Kindesmissbrauch schon einmal thematisiert wurde und sie die Haltung der Ansprechpersonen dazu einschätzen können (vor allem, wenn Erwachsene Missbrauch ernst nehmen, aber nicht dramatisieren),
  • bei Andeutungen ohne Druck nachgefragt und Unterstützung signalisiert wird.

(Ergebnisse der Opferbefragung aus:
„Wirksamkeit von Maßnahmen zur Prävention und Intervention im Fall sexueller Gewalt gegen Kinder“, Expertise im Rahmen des Projekts „Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen in Institutionen“, Hrsg.: AMYNA e.V. – Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch. Deutsches Jugendinstitut e.V., München, 2011, Seite 30 ff.)

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