Täter Strategien

Geheimhaltung als Strategie

Die Fälle sexuellen Missbrauchs, die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst werden, machen nur einen Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes aus. Doch warum wird sexueller Kindesmissbrauch oft nicht erkannt? Ein entscheidender Grund dafür ist, dass die Geheimhaltung des Missbrauchs ein Teil der Täterstrategie ist.

Täter sichern sich das Schweigen der Opfer auf unterschiedliche Art und Weise, z.B. erzeugen sie bei ihren Opfern Schuld- und Schamgefühle, indem sie ihnen eine Mitschuld am Missbrauch geben.

Gerade bei Missbrauch innerhalb der Familie muss der Täter oft gar keinen Druck ausüben: Betroffene Kinder schweigen auch, weil sie sich schämen, große Angst haben, ihre Familie zu zerstören, oder schlicht um ihre Eltern zu schützen.

Sexueller Kindesmissbrauch im näheren Umfeld des Kindes ist meist kein Zufall, sondern eine vom Täter lange Zeit geplante Tat. Dabei geht er oder sie überlegt vor und gewinnt in der Regel zunächst das Vertrauen eines Kindes, indem das Kind belohnt oder besonders bevorzugt wird. Durch diese „besondere“ Zuneigung fällt es Tätern oft leicht, Kinder zu isolieren und deren umstehende Personen so zu beeinflussen, damit Missbrauch möglich wird.

Sexueller Missbrauch sollte als eine dynamische Tat betrachtet werden, bei der Täter ihre Vorgehensweise neuen Einflüssen und Gegebenheiten anpassen können – sie nutzen und schaffen immer wieder Möglichkeiten, in denen sie Missbrauch begehen können.

Dies können sein (Seiten 11-12).