Täter

Der Fremde als Täter ist selten

Wenn Eltern an sexuellen Kindesmissbrauch denken, verstehen die meisten darunter einen gewalttätigen Angriff von Fremden. Tatsächlich aber kommen Täter in über 70 Prozent aus dem sozialen Nahbereich der Kinder, aus der Familie, dem Bekanntenkreis, der Schule oder dem Verein: Dies sind Väter, Stiefväter, Mütter, Großeltern, häufig auch Geschwister, aber auch Nachbarn, Freunde der Familie, Lehrer, Erzieher, Sporttrainer. Bei den polizeilich registrierten Fällen hat nur etwa jedes dritte Opfer keine Vorbeziehung zum Täter. Der fremde Mann als Täter ist daher selten.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Missbrauch überwiegend von Männern verübt wird. Aber auch Frauen missbrauchen Kinder. Die Täter und Täterinnen kommen aus allen Gesellschafts-, Bildungs- und Altersschichten und weichen scheinbar nicht von der „Norm“ ab – sie leiden entgegen der oft geäußerten Meinung meist nicht an einer psychischen Erkrankung, die sie zum Missbrauch „zwingt“. Männer wie Frauen nutzen dabei die Zuwendung, die Abhängigkeit und das Vertrauen eines Kindes nicht nur zur Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse aus, sondern vor allem auch für ihr Verlangen nach Macht.

Der „typische“ Täter existiert nicht, stattdessen gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Tätertypen. Es gibt Personen, deren sexuelle Fantasien und Gedanken ausschließlich auf Kinder fixiert sind. Beziehungen zu gleichaltrigen Erwachsenen dienen ihnen oft als Alibi, um dem Bild eines „Normalmenschen“ zu entsprechen und trotzdem Zugang zu Kindern zu haben. Solche Täter wählen oft Berufe, in denen sie mit Kindern Kontakt haben. Zwei Drittel der Täter wiederum bevorzugen eher gleichaltrige Partner, suchen aber in sexuellem Kontakt zu Kindern Ersatz und Bestätigung für Rückschläge in Partnerschaft oder Job.

Rund ein Fünftel der polizeilich registrierten Tatverdächtigen des sexuellen Missbrauchs ist zwischen 14 und 18 Jahre alt.

Auch Kinder unter 14 Jahren treten dabei vereinzelt in Erscheinung.